LehrkräftePLUS Köln – ein Programm zur beruflichen Weiterqualifizierung für neu zugewanderte Lehrkräfte

LehrkräftePLUS Köln – ein Programm zur beruflichen Weiterqualifizierung für neu zugewanderte Lehrkräfte

von Ariane Elshof, Semra Krieg, Arman Lee, Dr. Henrike Terhart • Artikel im ZMI Magazin 2020, S. 28

Neu zugewanderte geflüchtete Lehrkräfte verfügen über fachliche und sprachliche Kompetenzen, die durch einen Übergang in das deutsche Bildungssystem als Arbeitsmarkt einen Gewinn für Schulen im Regierungsbezirk Köln darstellen können. Das universitäre Programm LehrkräftePLUS Köln zielt darauf ab, aufzuzeigen, welche beruflichen Möglichkeiten sich für im Ausland ausgebildete Lehrkräfte eröffnen sowie eine berufliche Weiterqualifizierung zu bieten.

Das Programm LehrkräftePLUS Köln richtet sich an Personen, die sich für den Schuldienst in ihren Herkunftsländern qualifiziert haben und mitunter über langjährige Praxiserfahrungen verfügen. Ziel ist es, innerhalb des einjährigen Programms durch sprachliche sowie fachliche Weiterqualifizierung die beruflichen Chancen im deutschen Bildungssystem zu verbessern und eine Orientierung für einen Übergang in den Arbeitsmarkt zu bieten. Eine Anschlussmöglichkeit an das Programm ist u.a. eine Bewerbung für die Teilnahme am Projekt „ILF – Internationale Lehrkräfte fördern” der Bezirksregierung Köln und des Mercator-Instituts für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache der Universität zu Köln (siehe hierzu im Magazin S. 30-31). Ziel ist die dauerhafte Gewinnung der Lehrkräfte für den öffentlichen Schuldienst des Landes Nordrhein-Westfalen.
Das Konzept von LehrkräftePLUS Köln basiert auf vier miteinander verzahnten Bausteinen: berufsbezogene Deutschkurse, Seminare zur pädagogisch-interkulturellen Qualifizierung sowie zur jeweiligen Fachdidaktik, begleitete Schulpraxis, eine individuelle berufliche Beratung und Informationsveranstaltungen.

Mehrsprachigkeit und Spracherwerb Deutsch
Ein zentraler Aspekt des Programms ist die Verbesserung der sprachlichen Fähigkeiten im Deutschen. Dies umfasst den allgemeinen und fachsprachlichen Deutscherwerb, der durch einen vorbereitenden Deutschintensivkurs, einen fortlaufenden berufsbezogenen Deutschkurs sowie Sprachtandems mit Studierenden begleitet wird. Dadurch wird ein bewusster Umgang mit Fach-, Bildungs- und Alltagssprache begleitend unterstützt. Das Ziel der Teilnehmenden ist es, im Rahmen des Programms ein Sprachzertifikat C1 für die deutsche Sprache zu erwerben.
Die Mehrsprachigkeit der Teilnehmenden bildet eine wichtige Grundlage für die Konzeption des Programms. Somit werden in der Lehre im Programm Lehr-Lernmethoden zum systematischen Einbezug von Mehrsprachigkeit genutzt, um mit den sprachlichen Fähigkeiten der Teilnehmenden an ihrem Fachwissen anzusetzen. Sprachen werden dabei nicht nur als Medium der Vermittlung, sondern auch als Inhalt mit Blick auf Mehrsprachigkeit in der Schule aufgegriffen, etwa wenn die Teilnehmenden zusammen mit Lehramtstudierenden der Universität zu Köln im Modul „Deutsch für Schülerinnen und Schüler mit Zuwanderungsgeschichte für alle Lehrämter” gemeinsam an Themen eines mehrsprachigkeitssensiblen Unterrichts arbeiten.

„Nach meiner langjährigen Berufserfahrung ist ein Neustart in einem neuen Land wirklich schwierig. Aber das Lehrkräfteprogramm der Universität zu Köln und das Praktikum im Berufskolleg haben mich wieder begeistert” (Mathematiklehrkraft nach dem zweiten Blockpraktikum).

Begleitete Schulpraxis
Ein zentraler Bestandteil im Programm ist, bezogen auf den potentiellen Übergang ins Bildungssystem, die begleitete Schulpraxis. Dadurch werden den teilnehmenden Lehrkräften ein Einblick und erste eigene Erfahrungen im deutschen Schulsystem ermöglicht. Die Schulpraxis innerhalb des ein-
jährigen Programms umfasst zwei dreiwöchige Blockpraktika. An die beiden Hospitations- und Erprobungspraktika folgt ein daran anschließendes, eintägiges und über mehrere Monate fortlaufendes Begleitpraktikum.
In dieser fortlaufenden Praxisphase bekommen die Teilnehmenden die Möglichkeit ihre erworbenen Kenntnisse und Kompetenzen aus den ersten beiden Praktika kontinuierlich zu festigen und konstruktiv anzuwenden. Die Suche der Praxisschulen findet in Kooperation mit der Arbeitsstelle Migration der Bezirksregierung Köln statt. Interessierte Schulen aus dem Regierungsbezirk Köln werden mit den teilnehmenden Lehrkräften nach Schul- und individuellem Lehrerprofil gezielt zusammengeführt.

„Die Angstgrenze zwischen mir und dem Unterricht wurde zerbrochen.“
(Lehrkraft nach dem ersten Blockpraktikum)

In Absprache mit den Schulleitungen steht jeder*jedem Teilnehmenden in den Praxisphasen eine Lehrkraft als Mentor*in zur Seite. Die Aufgaben der Mentor*innen sind es, die Unterrichtshospitation der Teilnehmenden innerhalb der Schule zu koordinieren sowie bei Bedarf fachbezogene Hilfestellungen im Hinblick auf eine eigenständige Unterrichtsplanung der Teilnehmenden zu geben. Hierfür erhält die Lehrkraft, als Ausgleich zu den Mentor*innentätigkeiten, eine Entlastungsstunde pro Schuljahr. Innerhalb der Schule sind die Mentor*innen zudem die ersten Ansprechpartner*innen für außerunterrichtliche sowie organisatorische Fragen. Sie begleiten die Teilnehmenden bei Fragen, die sich in der Auseinandersetzung mit neu erworbenem Wissen und dem Alltag an einer Schule in Deutschland in Abgleich mit den bisherigen Berufserfahrungen in anderen Schulsystemen ergeben. Für die Mentor*innen werden regelmäßige Netzwerktreffen angeboten, die der gemeinsamen Vor- und Nachbereitung der Praxisphasen sowie einer Vernetzung der Lehrkräfte untereinander dienen. Auf diese Weise findet auch ein intensiver Austausch der Programmmitarbeiter*innen mit den Mentor*innen statt, welcher für die Planung der Praxisbegleitveranstaltung im Rahmen des Programms ausschlaggebend ist.

Kooperationsstrukturen
Das Programm ist ein Kooperationsprojekt des International-Office, des Mercator-Instituts für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache/Arbeitsbereich Interkulturelle Bildungsforschung und des Zentrums für LehrerInnenbildung der Universität zu Köln. Die enge Zusammenarbeit mit der Arbeitsstelle Migration der Bezirksregierung Köln u.a. bei der gemeinsamen Auswahl der Teilnehmer*innen, der Unterstützung bei der Suche der Praxisschulen und der Beratung hinsichtlich der Anschlussmöglichkeiten an das Programm ist darüber hinaus bedeutsam für den Erfolg des Programms (siehe hierzu im Magazin S. 30-31). Von 2018 bis 2020 wurde das Vorgängerprogramm Programm für geflüchtete Lehrkräfte an der Universität zu Köln angeboten. Seit dem Frühjahr 2020 ist das Weiterqualifizierungsprogramm Teil des Netzwerks LehrkräftePLUS Nordrhein-Westfalen. Im Netzwerk LehrkräftePLUS arbeitet die Universität zu Köln mit den Universitäten Bielefeld, Bochum, Duisburg-Essen und Siegen zusammen, an denen ebenfalls LehrkräftePLUS-Programme bestehen. Ein Ziel der Zusammenarbeit stellt das Onlineportal „LehrkräftePLUS Nordrhein-Westfalen” dar, welches Anfang 2021 veröffentlicht wird. Auf dem Portal werden Informationen für Interessierte gebündelt sowie in einem log-in-Bereich Materialien für Teilnehmende, Alumni und Lehrende der Programme bereitgestellt.
Das Netzwerk LehrkräftePLUS Nordrhein-Westfalen wird durch das Förderprogramm „NRWege Leuchttürme“ des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) mit finanziellen Mitteln des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert und in Kooperation mit dem Ministerium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen sowie der Bertelsmann-Stiftung und der Stiftung Mercator durchgeführt. 

Bei Interesse an LehrkräftePLUS schreiben Sie gerne eine Mail an:
lehrkraefte-plus@uni-koeln.de